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Trend zu Swiss GAAP FER mit Fragezeichen

Swiss GAAP FER liegt im Trend. Mehr als 30 an der Schweizer Börse Six kotierte Unternehmen haben in den vergangenen Jahren zum lokalen Rechnungslegungsstandard gewechselt.

Diese Tendenz wird auch durch eine Umfrage der Universität St. Gallen bestätigt: Die Mehrheit der befragten CFOs überlegt sich, innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre zu wechseln. Als Grund wurde dafür häufig angegeben, dass die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS zu komplex wären und dass das „Kosten-Nutzen-Verhältnis“ nicht stimmen würde.

Was spricht also aus Sicht von Investoren für IFRS? Diese Frage wurde in der Veranstaltung „Battle of the Standards“, organisiert durch die Analystenvereinigung CFA Switzerland, von namhaften Experten kontrovers diskutiert.

Empirisch untermauert wurde die Konferenz durch die Umfrage von CFA Switzerland und der Swiss Financial Analysts Association „The Investor Perspective“, bei der über 5000 Schweizer Finanzanalysten zu ihren Einschätzungen zu IFRS und Swiss GAAP FER befragt wurden. Das Fazit: Abstrakt gesehen hat die Mehrheit der Befragten keine Einwände gegen den Trend zu Swiss GAAP FER. Für ihre konkreten Analysezwecke bevorzugen sie jedoch IFRS Abschlüsse. Die Informationsfülle von IFRS – ein Hauptkritikpunkt auf Unternehmensseite – wird von der Mehrheit der Analysten als „genau richtig“ eingeschätzt. Einem Teil der Befragten bietet IFRS jedoch auch „zuviel“ Informationen. Die Mehrheit beurteilt jedoch Swiss GAAP Abschlüsse als analytisch mangelhaft, erschweren sie doch die grenzüberschreitende Analyse auch innerhalb einzelner Industriesektoren.

Auffällig ist, dass Kredit- oder Buyside-Analysten, die sich im Rahmen ihrer Arbeit intensiv mit der Rechnungslegung von Unternehmungen beschäftigen, besonders deutlich IFRS bevorzugen. Während 42% aller Befragten den Trend zum lokalen Standard willkommen heissen, sind es bei Kredit- und Buyside-Analysten nur noch 34% bzw. 20%. Aufgrund ihres langfristigen Bewertungshorizonts schätzen diese die Fülle an Informationen, die IFRS verlangt.

Vor diesem Hintergrund kritisiert die Mehrheit der befragten Kredit- und Buyside Analysten, dass ein Wechsel zu Swiss GAAP FER zu einer Abnahme bewertungsrelevanter Informationen führt (55% bzw. 60%). Beispiel: Swiss GAAP FER lässt eine Reihe von zusätzlichen Wahlrechten zu. So kann unter dem lokalen Standard der Goodwill mit dem Eigenkapital verrechnet werden. Trotz der umfassenderen Wahlrechte fallen die erklärenden „Disclosures“ beim lokalen Standard aber deutlich kürzer aus. Die befragten Finanzanalysten bevorzugen in beiden Fällen die Handhabung durch IFRS (53% bzw. 58%). Auch hinsichtlich der Kriterien „wahrheitsgetreue Reflektion der wirtschaftlichen Realität“ sowie „Vergleichbarkeit“ wird IFRS bevorzugt.

65% aller Teilnehmer gaben an, dass IFRS sie mit dem „richtigen Level“ an Informationen ausstattet. Swiss GAAP hingegen liefert für immerhin 36% aller Antwortenden und für eine Mehrheit aller Kredit-, Buy-Side und Sell-Side Analysten zu wenig Information.

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Communicators

Johanna Doeblin

2. Dezember 2014

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